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Eine Zeitreise auf sechs Kilometern

Die Rundwanderung beginnt in Osten, nahe dem Schnittpunkt von B 73 und B 495, am Parkplatz vor der Kirche
(Karte oben, Punkt 1).

Ostener Prahmfähre um 1900Es war einmal ein Dorf im Zweistromland zwischen Weser und Elbe: Osten, gesprochen mit langem Ooo und gelegen an der idyllischen Oste, über die Jahrhunderte lang kaum eine Brücke führte.

Nur Fähren pendelten zwischen den grünen Ufern, und in den Fährorten - wie in Ooosten an der Oooste - gediehen Handel und Wandel.

Karte aus dem 18. JahrhundertDie gerade mal 800 Einwohner konnten es sich leisten, den berühmten Baumeister Prey, der auch den Hamburger „Michel“ entworfen hatte, mit dem Bau ihrer stattlichen St.-Petri-Kirche (1745-1748) zu beauftragen. Die Barockkirche mit ihren ehemals 1200 Sitzplätzen wird im Dorf noch heute „unser Michel“ genannt.

Die Kirche, eine Station des norddeutschen "Mönchsweges", ist im Sommerhalbjahr geöffnet und kann besichtigt werden.

Die 1890 von den Gebrüdern Peternell gebaute Orgel hat dazu beigetragen, dass das Land an der Oste den Beinamen „Orgelparadies“ trägt.

Ein Gang nahe der Kirche, zwischen Deichstraße 23 und 24, führt zu der Stelle, an der in alten Zeiten im sogenannten Kirchosten die Fähre anlegte.

Wir biegen gegenüber in die Lange Straße ein, der man heute kaum noch ansieht, dass vor 100 Jahren wohl jedes ihrer Häuser ein Geschäft beherbergte.

Störfang in Osten um 1900Bis etwa 1900 war Osten ein blühender Handelsort, reich geworden durch Ziegeleien und Schiffbau, Walfang und Fischerei.

Als in der Oste noch Störe schwammen, versorgte Osten die Hamburger sogar mit Kaviar; seit 2009 wird versucht, den Stör hier wieder anzusiedeln.

Bevor wir links in die Fährstraße abbiegen (Punkt 2), werfen wir einen Blick auf die Gebäude hinter der Apotheke: Wo heute zwei Ärzte praktizieren, war früher Sitz des Amtsgerichts. Die Gitterfenster  des einstigen Gefängnisses nebenan sind noch heute vom Haus Fährstraße 24 aus zu sehen.

Café CentralAn der Fährstraße, die sich durch den Ortskern windet, stehen viele denkmalgeschützte Häuser, die - wie das einstige (unlängst wieder eröffnete) Café Central und die benachbarte frühere Kornmühle - vom einstigen Wohlstand künden; die ehemalige Mühle hat ein Verein vor dem Verfall bewahrt und zu einem Kulturzentrum umgestaltet.

Gerichtssitz, Hafen und Handelszentrum mit 160 Gewerbetreibenden – kein Wunder, dass das Fährdorf auf Postkarten früher fälschlich als „Stadt Osten“ bezeichnet wurde.

Bahnhof Basbeck - Osten (um 1900)Um 1900 herum drohte dem Ort Gefahr: Die Schifffahrt mit den großen Oste-Ewern verlor an Bedeutung gegenüber der Eisenbahn.

Die 1881 eröffnete neue Bahnlinie Harburg – Cuxhaven aber führte, jenseits der Oste, über den Bahnhof „Basbeck-Osten“ im Nachbarort Basbeck (heute Teil der Stadt Hemmoor). Bei Hochwasser und Eisgang konnte die Ostener Fähre nicht fahren – der Ort war von der Umwelt abgeschnitten.

Wir folgen der Fährstraße bis zu ihrem Ende, der Deichlücke neben dem Hotel Fährkrug (Punkt 3).

Sturmflut 1962 am FährkrugWie hoch die Oste früher – bis zum Bau des Ostesperrwerks 1968 – mitunter auflief, zeigen die Hochwassermarken an der Deichlücke am Hotel Fährkrug.

Der Ersatz der Prahmfähre durch eine modernere Form der Flussquerung, die allerdings die Segler mit ihren 30 Meter hohen Masten nicht behindern durfte, wurde für Osten zur Existenzfrage.

Schwebefähre bei Bilbao (erbaut 1893)Als Lösung bot sich damals eine Schwebefähre an, wie sie 1893 erstmals bei Bilbao in Spanien gebaut worden war.

Die durch den Eiffelturm gerade populär gewordene Stahlfachwerk-Bauweise ermöglichte ein Maximum an Stabilität bei einem Minimum an Materialaufwand.

Nach jahrelangem Kampf – die Nachbardörfer verweigerten jegliche Hilfe – entschloß sich Osten, die erste deutsche Schwebefähre zu bauen. Bauleiter war der Berliner Diplom-Ingenieur Max Pinette. Am 1. Oktober 1909 wurde die Schwebefähre feierlich eingeweiht.

Schwebefähre um 1912Über die Geschichte der Schwebefähre informiert die Tourist-Info "FährStuv" gleich gegenüber vom Fährkrug.

Details über Bau und Bauweise der Schwebefähre, des „Eiffelturms des Nordens“, enthalten das dort vorrätige Buch „Über die Oste – Geschichten aus 100 Jahren Schwebefähre Osten – Hemmoor“ (MCE, 2009) sowie die Website www.schwebefaehre-osten.de.

Wir nutzen eine der touristischen Demonstrationsfahrten mit der 2005 restaurierten Schwebefähre, um die Oste zu überqueren.

Sollte die Fähre nicht verkehren (Auskunft Fährverein, Tel. 0172 66 18 467), gehen wir über die wenige hundert Meter entfernte blaue Straßenbrücke (Radweg bzw. Treppe für den Auf- und Abstieg benutzen), um zur Basbecker Anlegestelle der Schwebefähre am anderen Osteufer (Punkt 4) zu gelangen – auf der Karte oben.

Stackbusch-Kahn auf der OsteBei der Überfahrt über die Oste ist links das Gelände der Wasserbaubehörde NLWKN zu sehen, auf dem auch Stackbusch lagert, wie er seit altersher für die Uferbefestigung Verwendung findet.

Bis hinauf nach Bremervörde werden die Ufer durch Ebbe und Flut strapaziert, die den Wasserstand zweimal täglich um mehr als zwei Meter anheben und senken.

Früherer Basbecker FährkrugEinstmals beförderten Pferdekutschen die Fahrgäste von Basbeck nach Osten.  Die beiden Häuser nahe der Schwebefähre - neben der 2015 errichteten Schutzhütte – waren früher gut besuchte Gaststätten.

Wir folgen der Fährstraße (5) bis zur B 73.

Schwebefähren-Infomeile in Hemmoor-BasseckVom Fähranleger führt seit altersher eine schnurgerade Allee zur Basbecker Bahnhofstraße. Die Fährstraße wurde 2009 von der Stadt Hemmoor mit vier Rastplätzen und acht Info-Tafeln über die noch existierenden Schwebefähren zu einer  „Infomeile der Welt-Schwebefähren“ umgestaltet.

Beiderseits des Weges fällt der Blick auf zwei der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Ostemarsch: Obstbau (gleich linkerhand) und Pferdezucht; die Hannoveraner aus dem Gestüt Pape (mit eigener Deckstation) genießen internationales Ansehen.

Wir queren die B 73 (Punkt 6) und folgen der Bahnhofstraße - mit Bäckereicafé sowie italienischem und griechischem Restaurant - bis zum Bahnhof (Punkt 7).

Die Basbecker Bahnhofstraße ist Schauplatz eines seit 1990 stattfindenden Straßenfestes, das von Einzelhändlern, Gastronomen und Vereinen organisiert wird.

Nostalgie-Dampfzug im BahnhofAm Bahnhofsgebäude (1881) war bis vor einigen Jahren noch die Aufschrift „Basbeck-Osten“ zu erkennen; der Bahnhof wurde  nach dem Zusammenschluß Basbecks, Warstades und anderer Orte und nach Verleihung der Stadtrechte an das neue Gebilde 1992 in „Hemmoor“ umbenannt. Im Gebäude finden sich ein Bistro und die Hemmoorer Tourist-Info.

Der ehemalige Güterschuppen nebenan beherbergt eine nostalgische Kneipe mit Erinnerungsstücken aus der Dampflok-Ära.

In Bahnhofsnähe: See an der "Oste-Welle"Wir gehen die Bahnhofstraße ein Stück weit zurück, biegen links in den Strandbadweg ein, umrunden rechter Hand halb den Freibad-See, eine frühere Tonkuhle, die an die Ziegelei-Tradition der Region erinnert, und kommen zum 1975 eröffneten Hallenbad "Oste-Welle".

Wir folgen der B 495 sodann rechts bis zur Brücke über die B 73, die wir überqueren, steigen die Fußgängertreppe rechter Hand hinab, unterqueren die Brücke und biegen rechts ein in den Siethwendeweg, auf dem wir bis zur Oste gehen (Punkt 8).

Ruderregatta „Oste-Marathon“Vom Deich aus sehen wir diesseits der Oste das Gelände der „Wasserfreunde Hemmoor“, die seit 1974 alljährlich eine Regatta („Oste-Marathon“) mit Gästen aus ganz Deutschland veranstalten, die das Rudern auf dem Tidefluß als besonders reizvoll schätzen. Jenseits der Oste sind die Anleger des WSC Osten zu sehen, die gern von Gästen besucht werden.

Die bis Bremervörde für Motorboote zugelassene Oste ist, so das dänische Fachblatt „Sejleren’s“, ein „Geheimtipp“ und „Kleinod“ für Skipper.

Oste-Schiff „Mocambo“Wer kein Boot sein eigen nennt, kann die Oste mit dem Fahrgastschiff „Mocambo“ (portugiesisch so viel wie Glückseligkeit, Gemütlichkeit) erleben, für das 2009 in Osten ein neuer Anleger entstanden ist. Der frühere Hamburger Alsterdampfer ist Deutschlands ältestes noch aktives Fahrgast-Motorschiff. An Bord sind auch Trauungen möglich.

Ebenso beliebt wie bei den Skippern ist die Oste mit ihren Schilfgürteln, dem relativ sauberen Wasser und einem reichen Fischbestand von Aal bis Zander bei den Sportanglern.

Wieder heimisch: der LachsDen auch von hiesigen Vereinen unterstützten Artenschutzaktionen ist zu verdanken, dass hier wieder der zuvor ausgestorbene „König der Fische“ laicht. Inzwischen gilt die Oste sogar als „Deutschlands Lachsfluß Nr. 1“. Seit 2009 wird auch der Kaviarfisch Stör in der Oste wiedereingebürgert.

Wir gehen unter der Ostebrücke hindurch, steigen rechts die Fußgängertreppe empor und überqueren die Brücke (Punkt 9). Der Radweg jenseits des Flusses führt nach Osten hinab.

Einweihung der Ostebrücke 1974Der Bau der 1974 eröffneten Ostebrücke war nötig geworden, weil die Schwebefähre dem zunehmenden Autoverkehr nicht mehr gewachsen war. Das Ende der Segelschiffahrt ermöglichte nun, anders als 1909, den Bau einer niedrigen Flußbrücke.

Karikatur aus den 70er JahrenEinen Tag nach der Eröffnung der neuen Brücke stellte die Schwebefähre ihren Betrieb ein. Osten verlor mit den Einnahmen aus dem Fährgeld, das 65 Jahre lang in die Dorfkasse geflossen war, nicht nur seine „Melkkuh“, wie es eine damalige Karikatur darstellte.

Über die neue Brücke floss fortan auch ein Teil des Einkaufsverkehrs an Osten vorbei. Bald darauf schwächten auch die Schließung des Amtsgerichts und erste Discount-Märkte jenseits des Flusses die Wirtschaftskraft des Dorfes.

Immerhin gelang es einer 1975 gegründeten Fördergesellschaft um den Fährkrug-Hotelier Horst Ahlf mit Hilfe des Denkmalschutzes und des Landkreises, den drohenden Abriß der Schwebefähre zu verhindern und sie für touristische Fahrten restaurieren zu lassen.

Nach der durch Bauschäden verursachten Stilllegung des technischen Baudenkmals 2001 warben die Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre und der Landkreis Cuxhaven als Eigentümer mit Erfolg für Zuschüsse für die rund 1,4 Millionen Euro teure Reparatur.

König Juan Carlos I. mit Fährfreunden 2003Unterstützung erhielten die Fährfreunde vom spanischen König Juan Carlos I., dem Ehrenpräsidenten des 2003 gegründeten Weltverbandes der Schwebefähren, von denen heute nur noch acht (von ehemals rund 20) existieren.

Österreichische SondermarkeDurch Spenden und den Verkauf von Sondermarken wurde 2005 zudem das Geld für eine nächtliche Illuminierung des nationalen Baudenkmals aufgebracht.

Eine neue Ferienstraße, die Deutsche Fährstraße Bremervörde - Kiel, und der Oste-Radweg Tostedt - Balje binden die Schwebefähre seit 2004 bzw. 2012 in überregionale touristische Strukturen ein.

Wir folgen dem Deich - zum Teil auf einer neuen Deichpromenade - zum Ausgangspunkt.

An der Kirche zeigt das Heimat- und Buddelmuseum neben 4500 originellen Trinkgefäßen auch viele Exponate zur Fährgeschichte (www.buddelmuseum.de).