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Adolf Leo Philippsohn, geboren am 24. Juli 1899 in Osten/Oste (Landkreis Cuxhaven), entstammte einer Familie, die dort bereits seit 1805 ansässig war. Der kleine Kirchort hatte etwa 800 Einwohner und zwei jüdische Kaufleute lebten dort. Adolf war der jüngste Sohn von Julius Philippsohn. Seine beiden älteren Brüder waren im Ersten Weltkrieg gefallen. 1921 starb sein Vater, dessen Produkten-Geschäft er übernahm. Wesentlicher Punkt war der Fellhandel. Die frischen Felle wurden gesalzen, was mit großem Gestank verbunden war, und nach dem Trocknen verkauft, vor allem nach Hamburg. 1926 heiratete er Irmgard Mosenthal aus Dransfeld. Sie trug einen „Scheitel“ und hatte das Haar zu zwei Schnecken aufgerollt. Am 30. September 1928 wurde ihre Tochter Anna Luise geboren.

Anna Luise besuchte die christliche Schule, ihre Freundinnen spielten im Haus ihrer Eltern. Ihr Vater war in der bürgerlichen Gesellschaft integriert. Er gehörte dem Kegelklub an und saß im Gemeinderat. Nach der Pogromnacht 1938 musste Anna Luise die Schule verlassen, der Vater sah sich gezwungen, sein Geschäft aufzugeben. Zu spät bereitete er die Emigration vor, sein Freund, der Zimmerer, stellte dafür noch Kisten her. Kurz vor der Deportation sagte Adolf zu seinem Freund: „Was mach ich nun, erschieße ich erst meine Familie und dann mich?“
(Quelle: Jürgen Bohmbach, Stade,
www.geschichte-bewusst-sein.de)


„Erinnerung an die Familie Philippsohn ist sehr wichtig“

Die jüdische Familie Philippsohn lebte in Osten und wurde im Jahr 1941 während der Herrschaft der Nazis in Deutschland nach Minsk deportiert (die NEZ berichtete). Am Freitag, 21. September, sollen auf dem Ostener Fährplatz drei sogenannte „Stolpersteine“ verlegt werden und an das Schicksal der Familie Philippsohn erinnern. Arno Grewe sprach mit Rüdiger Toborg, einem der Ideengeber dieser besonderen Aktion, der vor Jahren mit seinem mittlerweile verstorbenen Bruder Dr. Manfred Toborg ein kleines Buch über die Ostener Familie Philippsohn geschrieben hat.

Wie hat die Familie Philippsohn in Osten gelebt?

Toborg: Die Familie Philippsohn war eine alteingesessene jüdische Familie, die aus dem Vater Adolf Leo, der Mutter Irmgard und der Tochter Anna Luise bestand. Sie hatten viele Kontakte und pflegten ihre Freundschaften. Dabei stellten sie ihre jüdische Herkunft nicht heraus und lebten in Osten als Kaufmannsfamilie. Sie betrieben ein sogenanntes Produktengeschäft. Das heißt, sie handelten mit Fellen und Alteisen. Es ist schon tragisch, denn als sich die Situation für die Familie zuspitzte, wollte sie nach Südamerika auswandern. Sie hatte ihre Koffer schon in Hamburg, doch dann fehlte ein Stempel zur Ausreise. Somit mussten sie zurück nach Osten.

Wie ist Ihr persönliches Interesse am Schicksal der Familie geweckt worden?

Toborg: Das reicht weit zurück bis in meine Kindheit. Als Junge kam ich jeden Morgen beim Milchholen am Haus der Familie, das als ‚Judenhaus’ galt, vorbei. Ich habe mich gefragt: ‚Was ist überhaupt ein Jude?’ Später wunderte ich mich, dass das Schicksal der Familie kein großes Thema war und anscheinend verdrängt wurde. Auch in der Chronik über Osten ist nichts darüber zu lesen. Im Anschluss an die wöchentliche Probe des Gemischten Chores Osten diskutierten wir immer über aktuelle Themen. Auch das kam dann zur Sprache.

Was waren dann Ihre nächsten Schritte?

Toborg: Mein Bruder Manfred und ich fingen an, mit Menschen zu sprechen, die die Familie noch kannten. So teilte uns Anni Treudler, die damals als Hausangestellte bei der Familie Philippsohn arbeitete, ihre Erinnerungen mit. Manfred ist sogar ins jüdische Getto nach Minsk gereist und hat dort vor Ort Eindrücke gesammelt. Dort hat er mit Anna Krasnoperko sprechen können, die ihm von ihrer Zeit im Getto berichtet hat.

Wie haben Sie danach diese Erkenntnisse an die Öffentlichkeit gebracht?

Toborg: Wir hatten nun genügend Bild und Textmaterial zusammen, um einen öffentlichen „PhilippsohnAbend“ durchführen zu können. Damals hat uns auch die Schauspielerin Angelika Achinger, die in Osten lebte, sehr geholfen. Der Abend fand übrigens am 9. November 2000 im vollen Gemeindehaus statt. Der 9. November war natürlich nicht zufällig gewählt, da dies im Jahr 1938 der Tag der Reichspogromnacht war. Wir bekamen einen großen Zuspruch, der uns ermunterte, noch weiter ins Detail zu gehen.

Wie sah das genau aus?

Toborg: Bis 2006 war ich Ortsheimatpfleger hier in Osten und Ratsherr. Dort gab es eine Mehrheit, um die Straße, die zum Wohnhaus der Familie Philippsohn führte, umzubenennen. Die Umbenennung einer Straße ist schließlich etwas Dauerhaftes und die passende Würdigung. Im November 2001 war es so weit: Die feierliche Umbenennung der Straße „Am Dubben“ in „Philippsohnstraße“ wurde vorgenommen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie und Ihr Bruder schließlich ein Buch über die Familie veröffentlichten?

Toborg: Wir hatten beschlossen, diese vielen Eindrücke zu Papier zu bringen. Das hat natürlich einige Zeit in Anspruch genommen. Im Jahr 2004 war es dann so weit. Im Rahmen einer Friedensandacht in der Ostener St.Petri-Kirche – wieder am 9. November – wurde das kleine Buch vorgestellt. Dass das Buch überhaupt entstand, ist zu einem großen Teil das Verdienst meines leider schon verstorbenen Bruders Dr. Manfred Toborg.

Blicken wir auf die Gegenwart. Am 21. September sollen die drei „Stolpersteine“ in Gedenken an die Familie Philippsohn in der Gemeinde Osten verlegt werden. Nach längerer Diskussion ist als Standort nun der Platz vor der Schwebefähre vorgesehen. Was halten Sie persönlich davon?

Toborg: Ich finde es auch besser, dass die „Stolpersteine“ nun an der Fähre verlegt werden sollen. Dort waren die letzten Schritte der Familie hier in Osten. Am anderen diskutierten Standort am Haus der Familie wären die „Stolpersteine“ nicht so zur Geltung gekommen, während sie an der Fähre doch zum Nachdenken anregen. Dies und die positive Erinnerung an die Familie Philippsohn sind uns sehr wichtig.

Eine letzte Frage zum aktuellen Geschehen in Deutschland. Wie sehen Sie unter dem Aspekt des Schicksals der Familie Philippsohn die zunehmende Entwicklung antisemitischen oder ganz allgemein gesehen ausländerfeindlichen Gedankenguts?

Toborg: Durch die „Stolpersteine“ hoffen wir, dass diese dazu beitragen, dass sich so etwas wie im Dritten Reich nicht wiederholt. Darüber sollten die Menschen, wie gerade unter anderem in Chemnitz mit ihrem rechten Gedankengut, nachdenken.

Quelle: Arno Grewe, NEZ 10. September 2018


Stolpersteine für die „Familie Philippsohn"

Am 21. September 2018 sollen in der Gemeinde Osten die mit Spenden finanzierten „Stolpersteine“ für die ermordeten Mitglieder der jüdischen Familie Philippsohn verlegt werden, die am 18. November 1941 deportiert wurde.

Seinerzeit hatten Schülerinnen und Schüler der Hemmoorer Förderschule „Am Alten Postweg“ eine Projektarbeit über das Leben und Schicksal dieser jüdischen Familie durchgeführt und im Rahmen einer Ausstellung im Rathaus der Samtgemeinde präsentiert. Eine Spendensammlung zu diesem Anlass brachte den Grundstock für die Erstellung der Stolpersteine zusammen. Um die Erinnerung an Adolf Philippsohn, seine Frau Irmgard und die gemeinsame Tochter Anna Luisa in der Gemeinde wachzuhalten, wurde bereits 2001 die Straße „Am Dubben“ in „Philippsohnstraße“ umbenannt. Diese Straße befindet sich in unmittelbarer Nähe des einstigen Wohnhauses der Familie.


Zwist um den Ort für die Stolpersteine in Osten

22. März 2018, CN-online.de

Der Rat der Gemeinde Osten möchte Gedenkplatten des Künstler-Projektes von Gunter Demnig am Fährhof vor der Schwebefähre setzen.

„Die Stolpersteine mit den Initialen der jüdischen Familie Philippsohn sollen dort liegen, wo die Familie ihre letzten Schritte auf Ostener Grund vor ihrer Ermordung durch die Nazis gemacht hat – an der Schwebefähre.“ Darauf besteht Bürgermeister Carsten Hubert. Das werden sie aber vermutlich nicht, denn der Künstler will mitreden. Er beharrt auf dem Prinzip des europaweiten Projektes. Danach werden Stolpersteine vor dem Eingang des Hauses, wo die Familie einst gewohnt hat, verlegt. Finden Künstler und Rat keinen Kompromiss, wird es in Osten keine Stolpersteine geben.

Den Stein um die „Stolpersteine“ wieder ins Rollen gebracht hat Ratsfrau Sigrid Beyer. „Ich finde es mittlerweile beschämend, dass fünf Jahre nach der Spendenaktion die drei sogenannten Stolpersteine, die an die jüdische Familie Philippsohn aus Osten erinnern, immer noch nicht verlegt sind“, betonte sie (unsere Zeitung berichtete). Schließlich hätten die Jugendlichen der Hemmoorer Förderschule im Mai 2013 mit großem Engagement eine Ausstellung im Hemmoorer Rathaus organisiert, um Spendengelder für das Projekt zu sammeln. Die Ausstellung habe seinerzeit unter der Schirmherrschaft von Ostens Bürgermeister Carsten Hubert gestanden, fügt sie an.

In der Ratssitzung am Montagabend erhoffte sich Sigrid Beyer Antwort darauf, warum das Projekt bisher nicht umgesetzt wurde, das an Opfer der Nazi-Diktatur, wie die Familie Philippsohn, erinnern soll. Der Rat sprach sich in seiner Sitzung dafür aus, das Projekt des Künstlers Günter Demnig in Osten umzusetzen und hat konkret den 21. September um 9 Uhr als Termin anberaumt. Dabei gibt es im Vorfeld zwischen dem Künstler und der Gemeinde jedoch eine Diskussion darüber, wo die Stolpersteine verlegt werden. „Genau hier, am Fährhof am historischen Denkmal sollten die Stolpersteine liegen. Hier finden sie die größte Beachtung“, bekräftigt Bürgermeister Carsten Hubert. Die Schritte auf die Schwebefähre sollen die Letzten gewesen sein, die die jüdische Händlerfamilie auf hiesigem Boden gemacht hat, bevor die drei Familienmitglieder von den Nationalsozialisten nach Minsk deportiert wurden und dort ermordet wurden.

Vor Wohnhaus gedenken

Im Dorf mit der ältesten Schwebefähre Deutschlands will man genau an diesem Standort an die jüdische Familie Philippsohn aus Osten erinnern. Wie Bürgermeister Carsten Hubert dem Rat und seinen Zuhörern mitteilte, habe der Künstler das bisher abgelehnt. Die Ratsmitglieder fassten den Beschluss am Montagabend unter dem Vorbehalt, dass der Künstler die Stolpersteine auf dem Fährplatz in Richtung der „Eisernen Lady“, wie die Schwebefähre auch gern genannt wird, verlegt. Sollte der Künstler darauf bestehen, die Stolpersteine vor dem Haus der Familie Philippsohn auf dem Ostedeich in das Pflaster einzulassen, will der Rat darauf verzichten und sich stattdessen eigenständig um eine Gedenktafel kümmern. So ganz befriedigend ist die Antwort für Ratsfrau Sigrid Beyer nicht, wie sie gegenüber unserer Zeitung erklärte. So mache es nach wie vor keinen guten Eindruck ein engagiertes Schüler-Projekt nach dem

öffentlichkeitswirksamen Auftritt im Rathaus so lange unbeachtet zu lassen. Eine plausible Erklärung dafür habe sie nicht bekommen. Über eines sei sie dennoch zufrieden: „Jetzt ist endlich wieder Bewegung in die Angelegenheit gekommen.“ Der Rat will jetzt mit dem Künstler erneut in Kontakt treten.

Gunter Demnig und das Gedenken an die Opfer

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, erklärt der 70-Jährige. Auf jedem Stein sei eine individuell gefertigte Messingtafel verankert, die Auskunft gibt über Namen, Alter und Schicksal des Opfers.

„Das ist das Prinzip meines Projektes, das ich vor 25 Jahren ins Leben gerufen habe. Wenn ein anderer Standort gewünscht wird, der von meinem Prinzip abweicht, erwarte ich die Diskussion über eine Alternative“, betont Günter Demnig. „Ich bin der Künstler und habe somit ein Mitspracherecht.“

Wie Gunter Demnig auf Anfrage erklärte, sei er generell bereit, mit der Gemeinde Osten einen Kompromiss zu finden, wo die Stolpersteine, die an die einst in Osten ansässige jüdische Familie Philippsohn erinnern, eingelassen werden können. Der Fährplatz gehöre seiner Ansicht nach nicht zu den angemessenen Orten, die Menschen daran erinnern könnten, sich zu erinnern.

Von Carmen Monsees


Ausstellung von Ostener Juden-Familie

25. Mai 2013, CN-online.de

Es war eine bewegende Eröffnungszeremonie. Insgesamt 14 Schüler der Hemmoorer Förderschule Am Alten Postweg präsentierten am gestrigen Donnerstag ihre Arbeiten über das Leben und Schicksal der Ostener Judenfamilie Philippsohn. Eine tragische Geschichte, denn die dreiköpfige Familie musste ihren Heimatort im Jahr 1941 verlassen, wurde in ein Lager nach Minsk deportiert und kehrte nie zurück.

Die Erinnerung an Adolf Philippsohn, seine Frau Irmgard und Tochter Anna-Luisa wird schon viele Jahre in Osten wach gehalten.Ersichtlich für jeden seit 2001 durch die Umbenennung der Straße „Am Dubben“ in „Philippsohnstraße“. Diese Straße führte direkt zum Haus der jüdischen Familie. Aber auch schon die Brüder Dr. Manfred und Rüdiger Toborg haben im Jahr 2004 ein Heft über die Ostener Familie veröffentlicht.

Nun haben sich 14 Schüler der Geschichte angenommen. Im Rahmen einer Projektarbeit erarbeiteten sie sich zahlreiche Fakten rund um das Leben der Philippsohns. Sie lernten die schreckliche Vergangenheit am persönlichen Beispiel dieser einen Familie kennen – und bauten sofort eine emotionale Verbindung auf, wie die betreuenden Lehrer Lasse Weritz und Désiré Funk berichteten. „Die Schüler waren unwahrscheinlich engagiert“, sagen sie stolz. Der Lohn der Arbeit: Aus dem einwöchigen Projekt ist eine kleine Ausstellung entstanden.

Alle zusammengetragenen Fakten rund um die Familie Philippsohn sind anschaulich auf großen Plakaten und Stellwänden verarbeitet worden. Zu sehen ist die Ausstellung ab sofort im Forum des Rathauses Hemmoor. Ein genaues Ausstellungsende wurde noch nicht vereinbart. Verwaltung und Schule versprachen aber, dass die Exponate noch einige Wochen dort zu sehen sind.

„Als Samtgemeinde unterstützen wir das gerne“, sagte Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer während der offiziellen Eröffnung. Auch Ostens Bürgermeister Carsten Hubert war beeindruckt und auch sichtlich gerührt von der Schülerarbeit. Er wurde im Vorwege auch als Schirmherr der Ausstellung auserkoren.

Denn diese soll nur der Anfang einer großen Spendenaktion sein, wie die Schüler mitteilten. Ziel ist es sogenannte „Stolpersteine“ für die drei Philippsohns in Osten zu bekommen. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Doch dieses Unterfangen kostet Geld. Geld, das die Schule nicht hat. Sie erhofft sich durch diese Ausstellung aber die eine oder andere Spende. Bereits bei der Eröffnung füllte sich die Spardose recht schnell.

Ostens Ortsheimatpfleger Frank Auf dem Felde versprach den Schülern sogar seine Vergütung für das Jahr 2013 in Höhe von rund 210 Euro zu spenden. Ein sehr guter Anfang für das Projekt mit den Erinnerungstafeln, die laut Bürgermeister Hubert am Ostener Fährkopf einen sehr geeigneten und würdigen Platz finden würden.

Von Jan Unruh